Das ist doch wie ….

Ich bin zwar erst einige Tage in Neuseeland unterwegs, aber ich erlaube mir dennoch, einige Vergleiche zu ziehen. Zumindest hier im Süden (mal sehen, ob sich mein Eindruck im Norden ändern wird) erinnert mich doch sehr vieles an Kanada. Ich bin mir sicher, sowohl Kanadier als auch Neuseeländer würden dies abstreiten, aber mir scheinen die Analogien doch zu offensichtlich. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt die Landschaft oder das Wetter (obwohl hier im Süden das Herbstwetter doch stark an Kanada im letzten Herbst erinnert), sondern vielmehr die Menschen. Man pflegt hier auch gerne dieses “Naturburschen-Image”, die bevorzugte Kleidung erscheint wie aus der Auslage eines Outdoor-Shops. Man ist wettergegärbt und –resistent, so sind dicke Jacken über kurzen Hosen kein außergewöhnlicher Anblick. Das gilt nicht nur für die Männer, auch die Frauen pflegen diesen Look, nach meinen bisherigen Erfahrungen glaube ich nicht, dass der Markt für exzessive Kosmetikprodukte hier sehr ausgeprägt ist, High Heels habe ich nur bei japanischen Touristinnen gesehen  und der “metrosexuelle” Mann dürfte daher hier eher ein Schattendasein führen. Überhaupt das Männerbild: Der “tough guy” steht offensichtlich hoch im Kurs, außerhalb der Städte fährt man Geländewagen und Pick-Ups, alles ist recht rustikal. Man sieht alle Arten von Outdoor-Aktivitäten, je extremer, desto besser. Aber insbesondere steht Rugby hoch im Kurs, einen Spruch, gemünzt auf den American Football, der ja auch nicht gerade ein Sport für Weicheier ist, hat mir besonders gefallen: “Rugby: No pads, no helmets, just balls”. Aber dennoch hat die zumindest in diesem Sinne recht puritanische Regierung es geschafft, die Vorlieben für die kleinen Drogen des Alltags zu vertreiben. Alkohol wird nicht beworben und ist sehr teuer...
Wohnmobil–eine Welt für sich

Wohnmobil–eine Welt für sich

So ein Wohnmobil zu mieten und dann auch zu beherrschen, ist eine Wissenschaft für sich! Wir hätten nie gedacht, dass es alleine drei Stunden braucht, bis wir mit unserem neuen “Zuhause” für die nächsten drei Wochen endlich losfahren können. Auf einem riesen Parkplatz stehen unzählige große Gefährte, eines größer als das andere – oh je, mit so etwas sollen wir fahren? Wir dachten, dass am Ende der Saison wenig los wäre bei der Vermietstation – weit gefehlt, im Warteraum sitzen bereits viele Touristen, wir melden uns an der Rezeption an und erfahren, dass es mindestens eine Stunde dauern wird. Dazu erhalten wir ein iPad, mit dem wir ein Sicherheitsvideo anschauen sollen – nicht vergessen: immer links fahren und ohne Alkohol – ach! Immerhin gibt es Kaffee und Internet, dazu einen großen Stapel Papier mit den Mietkonditionen etc. zum Lesen. Wir schauen uns immer wieder draußen die verschiedenen Campmobile an und rätseln, welches wohl unseres ist. Dann endlich: Wir sind dran an der ersten Station: ein Gespräch zu den Mietbedingungen und insbesondere zu den Versicherungen. Oh je, wir hatten uns im Vorfeld schon viele Gedanken dazu gemacht und wollten eigentlich die kleine Lösung – aber dann hat uns der Mitarbeiter deutlich gemacht, wie teuer es tatsächlich im Fall der Fälle werden kann; naja, so haben wir doch das All-Inclusive-Paket abgeschlossen, wir können also Unfälle machen, uns sogar auf die Seite rollen oder überschlagen – alles ist versichert, das ist doch was! Dann eine lange Einweisung in die Untiefen der Technik eines solchen Gefährtes, uns schwirrt der Kopf vom Frischwasser, Gas, Kühlschrank, Heizung, Abwasser, Tank, Mikrowelle, Dusche, Herd, Strom, dazu Licht,...

Herbstimpressionen

Aus Deutschland in die Tropen zu fliegen und mit dem damit verbundenen Temperaturwechsel klar zu kommen, ist man mittlerweile gewohnt. So war es keine gänzlich ungewohnte Veränderung aus dem vorfrühlinghaften Deutschland in Singapur mit seinen über 30 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit anzukommen. Mittlerweile sind wir jedoch nach Neuseeland weitergereist ….. und hier ist jetzt Herbst! Und diese Umstellung ist jetzt doch sehr außergewöhnlich. Es ist sehr windig, die Blätter verfärben sich und fallen ab, also eigentlich ein Wetter wie man es auch in Deutschland erleben würde, nur eben zur völlig falschen Zeit. Und auch für die nächsten Tage wird uns das Wetter nicht los lassen. Wir haben beschlossen, weiter in den Süden zu fahren, trotz des Hinweises, dass man für die Inseldurchquerung sicherheitshalber Schneeketten dabei haben sollte. Erst in einigen Tagen geht es dann Richtung Norden Richtung warmes Wetter. Und noch etwas anderes erscheint mir für solch eine lange Reise ungewohnt. Man ist auf der anderen Seite der Welt und dennoch ist Vieles bekannt – bis auf die Sprache …. dieser Dialekt hier ist wirklich very strange. In Christchurch sieht es an vielen Ecken aus wie in England – die Häuser, die Parks, natürlich der Linksverkehr, die Straßenzüge – es heißt ja genauso wie eine Stadt in England. An diesen starken Einfluss der Kolonialherren muss man sich erstmal gewöhnen, so weit weg von Europa. Christchurch sieht noch ziemlich mitgenommen aus vom Erdbeben in 2011: Viele Gebäude stehen noch immer leer, es gibt viel freie Fläche in der Innenstadt. Wo früher große Innenstadt-Gebäude waren gibt es jetzt unbefestigte Parkplätze. Das Erdbeben hat damals wirklich erschreckend viel zerstört – die...
Eine kurze Geschichte von Talern und Leidenschaft

Eine kurze Geschichte von Talern und Leidenschaft

Es gab einmal eine große Deutsche Bank, die den Menschen auf großen Schildern versprach, sie würden mit großer Leidenschaft Leistungen für sie erbringen. Dies gefiel dem armen Helden unserer kleinen Geschichte und so brachte er über viele Jahre große Mengen seiner Taler zu eben jeden leidenschaftlichen Männern in Blau, auf dass sie diese treulich verwalten würden. Eines Tages plante unser abenteuerlicher Held eine lange Reise in ferne Länder in denen er auch große Rechnungen zu bezahlen hatte. Und so fragte er die blauen Herren, ob er zusätzliche Taler in die kleine Karte stecken könne, die ihm die Herren gegeben hatten. “Aber gerne” sagen die Blauen und erklärten ihm wie er zu verfahren habe. Gesagt, getan – unser armer Tropf tat wie ihm geheißen und ging wohlgemut auf seine lange Reise. Doch oh weh! Kaum war er an seiner ersten Rast angekommen, musste unser müder Reisender feststellen, dass die großen Blauen seine Taler gar nicht mehr leidenschaftlich mochten und ihm alles zurückgegeben hatten. Wie sollte er nur die vielen Taler in den fernen Ländern bezahlen? Und so rief unser verzweifelter Held ganz laut ins ferne Frankfurt zu den blauen Herren, und auch viele antworteten ihm; einer fragte den anderen und so musste unser müder Held ganz lange ins ferne Frankfurt schreien und ganz vielen Blauen sein trauriges Los erzählen. Alle waren ganz mitleidig mit dem Schicksal unseres armen Helden und auch ganz traurig darüber, dass einer der Ihren so falsch Zeugnis abgelegt hatte. Aber helfen konnten sie unserem armen Tropf dennoch nicht, denn ein böser Herrscher mit vielen Namen, manchmal “System” oder “Computer” geheißen war überaus misslaunig und so ganz...
Chinatown

Chinatown

Was erwartet man im allgemeinen, wenn man – egal in welcher Stadt – nach Chinatown geht? Enge Straßen, bunte Farben, Gerüche, Geschäftigkeit,  kurzum eine irgendwie sich selbst organisierende Form chaotischen Lebens. Nicht so in Singapur. Hier ist Chinatown aufgeräumt, kein Müll auf den Straßen, die Tische in den Food Courts sind nummeriert und werden ehe man es sich versieht abgewischt und leergeräumt (incl. einer noch halbvollen Schale Suppe). Selbst die die unzähligen Behältnisse der TCM-Läden sind säuberlich beschriftet und sortiert. Man fragt sich manchmal, ob man insbesondere in den Chinatowns der nordamerikanischen Städte nicht mittlerweile dieses unorganisierte Bild auch quasi als Folklore zelebriert, als gleichsam Marketing-Gag für Westler? Sicherlich ist Singapur mit seinen preußischen Tugenden ein extremes Beispiel, aber wenn ich mich beispielsweise an die Chinatown in Bangkok erinnere, fand das “typische” Chinatown dort auch nur in den touristischen Vorführstraßen statt – in den Seitenstraßen war davon sehr wenig zu sehen. So – was ist echt? …. Aber wahrscheinlich gibt es das genau eben nicht, Chinatown ist überall das was die Einheimischen und die Erwartungen der Touristen daraus machen. Und so lange es Leute wie mich gibt, die es in jeder Stadt sobald sie den Begriff “Chinatown”  lesen genau dahin zieht, wird sich das wohl auch nicht...